Die Chancen, mit Ihrer Biogasanlage auch und gerade in Zukunft erfolgreich zu sein, stehen tatsächlich ziemlich gut. Vor allem, wenn Sie diese flexibilisieren. Sie fragen sich, worauf diese Annahme beruht? Sie lässt sich mit einer Reihe von Fakten belegen: Zum Einen verlangt der geplante Ausstieg aus Atom- und Kohleenergie nach Alternativen und Kompensationen. Setzt die Politik ihr Vorhaben in den nächsten Jahren konsequent um, könnte es immer wieder zu temporärer Verknappung der Stromerzeugung kommen, so dass die Stromvermarktung immer lukrativer wird und flexibilisierte BHKWs einen deutlichen Wettbewerbsvorteil haben. Zum Anderen ist da das wachsende, aber schwer zu prognostizierende Wind- und Sonnenenergievolumen. Je mehr die Stromversorgung aus wetterabhängigen Energiequellen stammt, umso mehr schwankt die Einspeisung ins Stromnetz. Das führt immer wieder zu Preissignalen, die Biogasanlagen zugute kommen und die ein flexibles Erzeugungsverhalten belohnen. Und schlussendlich gibt es noch die Umstellung bei der Ausschreibung der Regelenergie. Bisher erfolgte die Ausschreibung wochenweise – das machte es einem Betreiber nicht möglich, auf kurzfristige Ereignisse zu reagieren. Durch die geplante Umstellung auf einen täglichen Turnus ab 2018 wird die Kombination aus Regelenergie und Fahrplanfahrweise erleichtert.

All diese Punkte zusammen betrachtet, lassen die Zukunft der flexibilisierten BHKWs in Deutschland also durchaus positiv erscheinen. Und obendrein können Sie selbst als Anlagenbetreiber mit diversen Maßnahmen noch einiges an Mehrerlösen aus Ihrer Biogasanlage herausholen.

Flexibilisieren Sie Ihr BHKW technisch und quantitativ so hoch wie möglich!

Der Faktor, der den größten Einfluss auf Mehrerlöse hat: Der Grad der Flexibilität Ihrer Anlage. Je flexibler Sie diese fahren, desto mehr können Sie an den Strommärkten herausholen. Natürlich bedeutet das hohe Investitionen: Für die Ausstattung mit einem großen Motor samt Trafo, einen neuen Wärmespeicher und einen ausreichend großen Gasspeicher müssen Sie tief in die Tasche greifen. Dazu kommen die für die Fahrplanfahrweise nötige Neukonfiguration der Anlage samt moderner Kommunikationstechnik sowie ein aufwändiges Genehmigungsverfahren – all das kostet Zeit, Geld und Nerven. Und natürlich birgt die Flexibilisierung auch große Herausforderungen: angefangen beim höheren Verschleiß von Anlasser und diverser Lager über die Gaskühlung, die man ständig im Blick haben muss bis zur unsicheren Anzeige des Gasspeicherfüllstandes gibt es so einiges, was Sie als Anlagenbetreiber in Atem halten kann. Aber nichtsdestotrotz werden Sie auf absehbare Zeit nur von einer mutigen Flexibilisierung im großen Stil, die sich nicht auf die doppelte Überbauung Ihrer Anlage beschränkt, profitieren. Nur damit schaffen Sie die Grundvoraussetzungen, um auch auf kurzfristige Bewegungen auf dem Strommarkt zu reagieren. Und diese hohe Flexibilisierung funktioniert nun mal nur durch das optimale Zusammenspiel von Motoren, Einspeisemanagement und Gas- bzw. Wärmespeicher.

Denken Sie über eine Kombination aus Erneuerbaren Energien nach

Warum sollten Sie mit Ihrer Biogasanlage nur eingleisig fahren? Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, mehrere bioenergetische Nutzungsvarianten miteinander zu kombinieren? Etwa Ihr Biogas mit anderen Formen Erneuerbarer Energien wie Photovoltaik oder fester Biomasse zusammenspielen zu lassen? Beispielsweise eine Photovoltaik-Anlage installieren und mit dem erzeugten Strom die Biogasanlage betreiben. Möglichkeiten gibt es so einige – hören Sie sich am besten in Ihrem Umkreis um, schauen Sie sich Energielösungen anderer Betriebe an, tauschen Sie sich mit anderen Energiewirten aus!

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So rufen Sie die aktuellen Zahlen zum Flex-Deckel auf!

Nutzen Sie Ihr Biogas für eine CNG-Tankstelle

Eine große Chance für alle, die sich jetzt für die Zeit nach der 20-jährigen EEG-Förderung umsehen, könnte die Aufbereitung von Biogas für erdgasbetriebene Fahrzeuge sein – technisch möglich ist das bereits. Um Methan als Kraftstoff zu nutzen, wird es von Kohlenstoffdioxid und anderen Störstoffen in einer Gasaufbereitung mithilfe eines Membrantrennverfahrens getrennt und dann verdichtet. So erreicht das Biomethan Erdgasqualität und kann zur Betankung von Erdgasfahrzeugen eingesetzt werden. Dieses CNG (Compressed Natural Gas) wird rein rechnerisch allein aus Reststoffen hergestellt und ist damit umweltfreundlich, schont das Klima und ist mit 1,12 Euro/kg deutlich günstiger als konventioneller Kraftstoff. Verglichen mit Diesel stoßen Biomethan-Fahrzeuge etwa 90 Prozent weniger Co2 und 80 Prozent weniger Stickoxide aus.
Ideal wäre, Sie könnten als Anlagenbetreiber alle Ihre Nutzfahrzeuge mit selbst produziertem Biogas betanken, das aufbereitet direkt aus der Anlage in eine Zapfsäule strömt und entnommen werden kann. Erste Schlepper und Traktoren gibt es bereits als Prototypen, Serienmodelle sollen noch 2017 vorgestellt werden. Obendrein gibt es eine von der Bundesregierung verlängerte Steuerbefreiung für mit Erdgas betriebene Fahrzeuge bis mindestens 2024. Und auch erste Praxisbeispiele gibt es, wie etwa den „Energiehof Weitenau“ (energiehof-weitenau.de), der seine Biogasanlage überbaut hat und eine hofeigene CNG-Tankstelle betreibt.

Versuchen Sie sich an einer Alternative zu Mais

Momentan noch laufen Biogasanlagen mit Silo-Mais am effektivsten. Allerdings gibt es den sogenannten „Maisdeckel“ – bis 2021 darf nur noch maximal 44 % Mais eingesetzt werden. Obendrein tun sich mit dem Maisanbau noch weitere Probleme auf, Stichworte: Monokultur, Auslaugen der Böden, Verödung der Landwirtschaft, hohe Anfälligkeit für Schädlinge, Erosionsgefahr. All das könnte über kurz oder lang die Effizienz auch Ihrer Biogasanlage bedrohen. Schon lange wird deshalb nach adäquatem und rentablem Ersatz für Mais gesucht und mit alternativen Pflanzen experimentiert. Jetzt scheint eine perfekte Ergänzung gefunden: die „Durchwachsene Silphie“. Geben tut es diese Pflanze schon lange, bisher scheiterte ihr Einsatz allerdings vor allem daran, dass ihr Anbau kompliziert war und es im ersten Anbaujahr keine Ernte gab. Jetzt gibt es die Möglichkeit, die Pflanze auszusäen statt sie mühsam einzeln zu pflanzen. Außerdem lässt sich der Ernteausfall im Etablierungsjahr mit dem kombinierten Anbau als Untersaat im Mais kompensieren. Wer einen Versuch mit der „Durchwachsenen Silphie“ startet, wird ab dem zweiten Anbaujahr mit einem ähnlich hohen Biomasseertrag und ähnlicher Gasausbeute wie beim Mais belohnt. Außerdem kann die Pflanze, einmal ausgesät, über 20 Jahre Ertrag bringen, benötigt dabei keine Bodenbearbeitung und fast keine Pflanzenschutzmittel. Zudem reduziert sie Erosionserscheinungen, leistet durch den Humusaufbau auf dem Acker einen großen Beitrag zum Klimaschutz und wird auch noch von Bienen und Wildtieren gerne aufgesucht.

Sorgen Sie für die konsequente Nutzung Ihrer produzierten Wärme

Die Möglichkeit der thermischen Nutzung ist bei einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage technologisch sehr effizient – und dadurch bietet sich Ihnen als Anlagenbetreiber eine große Chance für Zusatzerlöse. Nutzen lässt sich die produzierte Wärme auf vielen verschiedenen Wegen: etwa für den Fermenter – wenn Sie die Fermentertemperatur selbst bestimmen ohne externe Wärme dazukaufen zu müssen, macht das Ihre Biogasanlage rentabler (und auch umweltfreundlicher). Daneben bietet es sich beispielsweise an, die Wärme in ein Nahwärmenetz einzuspeisen oder sie auch für Kältemaschinen zu nutzen, um damit etwa in Supermärkten zu kühlen oder Gebäude zu klimatisieren. Wichtig ist auf jeden Fall, dass Sie in Ihrem flexibilisierten BHKW auch für einen entsprechenden Wärmespeicher – idealerweise einen Pufferspeicher (LINK zu 4. Blogartikel) – sorgen, um die Wärme wertschöpfend nutzen zu können.

In der Tat: vielversprechende Möglichkeiten für Mehrerlöse mit Ihrem BHKW gibt es, sogar einige. Um sie ausreichend zu nutzen und mit Ihrem BHKW in eine profitable Biogas-Zukunft zu steuern, ist und bleibt aber eine Sache die Grundvoraussetzung: Der Umstieg auf eine bedarfsgerechte Erzeugung. In diesem Sinne: Flexibilisieren, flexibilisieren, flexibilisieren Sie!