Geht es um die Reduktion von Emissionen, so stehen meist der Straßen- und Flugverkehr im Fokus. Doch auch in anderen, nicht weniger wichtigen Sektoren geht es darum, die CO2-Emissionen zu reduzieren, zum Beispiel im Güterverkehr. Allein Lkws und Binnenschifffahrt transportieren etliche Millionen Tonnen an Gütern pro Jahr durch ganz Deutschland und die Welt. Dabei produzieren sie zusammen mit rund 57 Millionen Tonnen (Stand 2018) etwa 35 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes im deutschen Verkehrssektor.

Das ist zwar nur knapp die Hälfte dessen, was der Individualverkehr mittels PKWs produziert. Dennoch lässt sich diese Ausstoßmenge weiter reduzieren: mit Bio-LNG. Dieser kann als emissionsarmer und klimafreundlicher Kraftstoff dazu beitragen, die Emissionen im Güterverkehr zu minimieren. Wie genau das funktioniert und welches Potenzial hinter Bio-LNG steckt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was ist Bio-LNG und wie lässt es sich gewinnen?

Liquified Natural Gas, kurz LNG, ist ein flüssiger, geruchsloser und ungiftiger Kraftstoff, der bei der Kühlung von Erdgas auf -162° C entsteht. Bei Bio-LNG handelt es sich um verflüssigtes Biomethan, das auf dieselbe Weise produziert wird. Das Volumen von LNG beträgt ca. 0,2 % des Gasvolumens, womit es effizient und mit einer hohen Energiedichte gelagert oder transportiert werden kann. Dabei besitzt Bio-LNG die gleichen Verbrennungseigenschaften wie normales LNG, stammt aber aus regenerativen Rohstoffen, ist zugleich erneuerbar und hilft, die Emissionen von CO2zu verringern.

Kennzeichnend für Bio-LNG ist seine hohe Methanzahl. Diese liegt bei 100, was für ein Gasgemisch sehr hoch ist. Die meisten anderen fossilen LNG-Sorten hingegen kommen kaum auf eine Methanzahl von mehr als 80. Und im konkreten Fall von LNG gilt: je höher, desto besser. Denn mit steigender Methanzahl wächst die Klopffestigkeit des Stoffes und die Gefahr einer Selbstentzündung desselben sinkt. Diese Eigenschaft macht Bio-LNG besonders geeignet für den Güterverkehr – weist es doch eine extrem hohe Energiedichte auf. Dies begünstigt das Zurücklegen langer Strecken ohne Tankunterbrechung. Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Wirtschaftlichkeit des Gütertransports aus, sondern auch auf seine Emissionen.

Die Herstellungskonzepte von Bio-LNG

Für die Herstellung von Bio-LNG bietet sich in erster Linie die Verwendung verschiedener Biomassensubstrate an. Dazu gehören neben nachwachsenden Rohstoffen wie Mais und Getreide auch in geringem Maße Gülle und landwirtschaftliche Reststoffe sowie kommunale und industrielle Bioabfälle. Generell gibt es zwei Konzepte zur Herstellung von Bio-LNG. Das erste Konzept ist die Verflüssigung von Biomethan am Standort der Biogasproduktion selbst. Die Alternative dazu ist die massenbilanzielle Entnahme von Biomethan aus dem Gasnetz und seine Verflüssigung nah am Standort des jeweiligen Verbrauchers.

Die erste Methode hat den Vorteil, dass die Kosten für die Einspeisung ins Gasnetz entfallen. So können auch Regionen mit Bio-LNG versorgt werden, die in größerer Entfernung zu LNG-Terminal oder Gasnetz liegen. Die zweite überzeugt mit einer optimalen Anpassung an den Abnehmer. So lässt sich Biomethan von mehreren Einspeiseanlagen im Gasnetz bündeln, an Standorten mit großer Nachfrage entnehmen und vor Ort verflüssigen. Gerade für Häfen, an denen in unregelmäßigen Abständen Binnenschiffe und Lkws betankt werden müssen, ist das ein großer Vorteil.

Mit Bio-LNG Emissionen im Güterverkehr verringern

Der Güterverkehr sieht sich generell mit zwei großen Herausforderungen konfrontiert. Zum einen die durch EU-Regularien festgelegte Senkung der verkehrsbedingten Emissionen von CO2 um gut 40 Prozent bis zum Jahr 2030. Zum anderen die Einhaltung der Grenzwerte in Bezug auf Stickoxide, Feinstaub und Schwefeloxide. Gleichzeitig korreliert der Güterverkehr stark mit der Wirtschaftsleistung. Denn durch das Streben nach ständigem Wirtschaftswachstum muss und wird der Güterverkehr weiter zunehmen. Bio-LNG kann zur Lösung dieses Dilemmas beitragen. Denn es adressiert genau die gefragten Anforderungen und bildet als emissionsarmer und klimafreundlicher Kraftstoff eine besonders geeignete Alternative.

Mit rund 80 bis 85 Prozent weniger Emissionen an Stickoxiden, kaum Schwefeloxiden oder Feinstaub und einem fast CO2-neutralen Verbrennungsprozess ist Bio-LNG für viele Sektoren des Güterverkehrs interessant. Denn dieser Kraftstoff lässt sich flexibel und extrem vielseitig einsetzen. Ob chemische Industrie, (Binnen-)Schifffahrt oder Straßenfernverkehr – mit Bio-LNG betriebene Fahrzeuge überzeugen in allen Bereichen mit deutlich geringeren Emissionen und einem signifikant niedrigeren Feinstaubausstoß.

Das sind die größten Potenziale und die wichtigsten Nachteile von Bio-LNG

Neben ihrem hohen Potenzial zur Emissionsvermeidung kann die Verwendung von Bio-LNG auch mit verringerten Lärmemissionen punkten. Da die Verbrennung von Bio-LNG im Vergleich zu Diesel wesentlich weicher und harmonischer erfolgt, emittiert ein mit Bio-LNG betriebener Motor rund 50 Prozent weniger Lärm. Zudem gilt Bio-LNG als wichtige und bereits verfügbare Option, um den Straßenfernverkehr zu dekarbonisieren. Ein weiterer Vorteil: Bio-LNG und normales LNG lassen sich auch in handelsüblichen Verbrennungsmotoren nutzen.

Doch trotz aller Vorteile hat Bio-LNG auch Nachteile. So ist seine Herstellung sehr energieaufwendig und Lagerung sowie Transport erfordern allerhöchste Sicherheitsanforderungen. Dabei gelten extreme Vorgaben für die Tanks, die sehr stabil sein und das Erwärmen des Flüssiggases möglichst lange verzögern können müssen. Und auch das wenig ausgebaute Tankstellen- und Lagernetz ist (noch) ein Nachteil für die Nutzung von Bio-LNG.

Emissionen verringern und zum Erreichen der Klimaziele beitragen

Fest steht, wer Bio-LNG im Güterverkehr einsetzt, leistet einen wertvollen Beitrag zur Einhaltung der Klimaziele. Immerhin weist der alternative Kraftstoff eine erhebliche Reduzierung an Emissionen auf. Und das kommt dem Klima definitiv zugute. Aber wie sich der Einsatz von Bio-LNG und die Entwicklung der Technologie auf lange Sicht gestalten werden, lässt sich nicht genau prognostizieren. Denn weitere Alternativen zu herkömmlichen Kraftstoffen stehen bereits in den Startlöchern.

Ob Biodiesel, E10 oder Wasserstoff – es gibt einige Kraftstoffarten, die bereits heute an Zapfsäulen zu finden sind. Ob Bio-LNG letztendlich das Rennen macht und sich gegen die Konkurrenz durchsetzt, bleibt deswegen abzuwarten.