Das neue Ausschreibungsmodell für Biomethananlagen ist da, das EEG 2021 gilt und voraussichtlich im Oktober dieses Jahres geht es los mit der ersten Ausschreibungsrunde. Wer denkt, dass das noch lange hin ist, liegt leider falsch. Denn die Zeit rennt und wer teilnehmen will, sollte am besten sofort mit der Planung beginnen. Dabei gilt es, einige wichtige Eckpunkte zu beachten.  Warum das so ist, welche Schritte Sie bei der Vorplanung unbedingt berücksichtigen müssen und wie Ihre Anlage garantiert genehmigt wird, erfahren Sie in diesem Beitrag.

EEG 2021 – das sind die wichtigsten Punkte auf einen Blick

Das EEG 2021 definiert alle Ziele für den Anteil erneuerbarer Energien am gesamten deutschen Stromverbrauch. Dabei richtet es seinen Fokus auf sämtliche Forderungen, die bis zu den Jahren 2030 und 2050 umgesetzt sein sollen. Außerdem beschreibt das EEG 2021 alle möglichen Ausbaupfade erneuerbarer Energiekonzepte. Für Biomethananlagen im EEG 2021 gelten dabei insbesondere die folgenden sieben Aspekte:

  • Erhöhung des Ausschreibungsvolumens
  • Erhöhung der Höchstwerte der Ausschreibungen
  • Abschaffung des Flexdeckels
  • „Qualitätskriterium“
  • Erhöhung des Flexzuschlags
  • Verschärfung des „Maisdeckels“
  • Einführung des §50a Absatz 1 Satz 2
  • Einführung des separaten Ausschreibungssegments für Biomethananlagen

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Punkten finden Sie in unserem Beitrag über die Auswirkungen des EEG 2021.

Biomethananlagen im EEG – diese Vorteile können Sie nutzen

Betreiber von Biomethananlagen und solche, die es werden möchten, finden im EEG 2021 eine Vielzahl an Informationen, Regelungen und Vorschriften für die Errichtung und den Betrieb solcher Anlagen. Dabei ist für sie insbesondere der Unterabschnitt 6, §39j bis 39m interessant. Die Ermittlung der darin genannten, anzulegenden Werte erfolgt per Ausschreibung durch die Bundesnetzagentur.

Welche Regelungen für Biomethananlagen im EEG 2021 konkret gelten und welche Sie als Anlagenbetreiber auf jeden Fall beachten sollten, zeigt Ihnen die folgende Übersicht:

1. Das Ausschreibungsvolumen

Für Biomethananlagen und andere Biogasanlagen sind im EEG 2021 neue Ausschreibungsvolumina festgelegt. Im Vergleich zum EEG 2017 hat es für reguläre Anlagen eine Erhöhung von 200 MW/a auf 600 MW/a gegeben. Hinzu gekommen ist ein neues separates Ausschreibungssegment für diese hier genannten hochflexiblen Biomethananlagen mit 150 MW/a.

2. Die „Südregion“

Klare Vorteile für Biomethananlagen gibt es laut EEG 2021 für den Süden Deutschlands: mit der sogenannten „Südregion“ im Ausschreibungssegment für hochflexible Biomethan-BHKW können nur Gebote für Anlagen abgegeben werden, welche in der Südregion errichtet bzw. betrieben werden. Im Groben umfasst die Südregion Bayern, Baden-Württemberg sowie Landkreise in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Die vollständige Liste findet sich in der Anlage 5 des EEG 2021. In der ersten Ausschreibungsrunde 2021 ist die Südregion-Regel jedoch noch nicht anzuwenden, was heißt, dass Anlagen im gesamten Bundesgebiet ein Gebot abgeben dürfen.

3. Die Förderungen

Biomethananlagen bekommen dank EEG 2021 über 20 Jahre Förderungen – der zulässige Höchstwert, der in der Ausschreibung geboten werden darf, liegt bei 19 Cent pro Kilowattstunde in der ersten Ausschreibungsrunde sowie danach jeweils 1 Prozent Degression pro Jahr. Hinzu kommt ein jährlicher Flexibilitätszuschlag von 65 Euro pro installiertem kW.

Wieso sollten Sie überhaupt Biomethan nutzen und was ist das eigentlich?

Generell entsteht Biogas bei der natürlichen, anaeroben Zersetzung von organischem Material. Auf diese Weise bildet sich ein energiereiches Gasgemisch, das Biogas. Dieses lässt sich zu Strom, Wärme oder Treibstoff umwandeln. Damit sich das Biogas zum Beispiel als Alternative zu Erdgas oder anderen fossilen Brennstoffen nutzen lässt, gilt es in einem zweiten Schritt, die oft unerwünscht hohen Mengen an Kohlendioxid und Wasserdampf aus dem Biogas abzutrennen. Ist dies geschehen, liegt das sogenannte Rohbiogas vor. Nach einer weiteren Reinigung, die der Aufwertung des Rohbiogases dient, liegt dann Biomethan als Endprodukt vor.

Biomethan erfreut sich zunehmender Beliebtheit, denn es gilt als echter Alleskönner. Es ist besonders gut verfügbar, vielseitig einsetzbar und in Bezug auf Luftschadstoffe und Treibhausgase sehr emissionsarm. Zwar wird bei seiner Verbrennung auch CO2 freigesetzt, jedoch ist dieses von der Biomasse lediglich in einem kurzen zeitlichen Intervall aus der Atmosphäre entnommen und gebunden worden. Bei nachwachsenden Rohstoffen kann das zum Beispiel innerhalb von nur einer Ernteperiode erfolgen. Aus diesen Gründen gelten Biomethan und Biomethananlagen als wichtige Bestandteile für eine umweltfreundliche und ressourcenschonende Energieversorgung der Gegenwart und der Zukunft


Für Anlagenbetreiber ist von Bedeutung, dass das eingesetzte Biomethan laut EEG 2021 einige entscheidende Besonderheiten erfüllen muss. Hierzu gehört unter anderem, dass Biomethan in Deutschland in das Gasnetz eingespeist und erzeugter Strom über das Marktprämienmodell direktvermarktet werden muss. Oder aber, dass die genutzten Rohstoffe bestimmte Anforderungen erfüllen müssen.

Diese Voraussetzungen muss Ihr BHKW erfüllen

Für gasförmige Brennstoffe wie Biogas und Biomethan legt das EEG 2021 eine Verschärfung der Anforderungen an die Einsatzstoffe einer Biogasanlage fest. Dazu gehört der sogenannte Maisdeckel, also eine stärkere Begrenzung des Einsatzes von Mais (und Getreidekorn). Neu bezuschlagte Anlagen dürfen damit jährlich nur noch maximal 40 Masseprozent an Mais und Getreidekorn einsetzen. Dies gilt für Biogasanlagen, welche ihr Gas vor Ort verstromen, aber auch für Biomethan-Einspeiseanlagen und somit wiederum für das eingesetzte Biomethan.

Weiter gibt es im EEG 2021 besondere Regelungen für hochflexible Biomethananlagen. So steht unter §39m, Absatz 2, dass der Zahlungsanspruch für die erzeugte Strommenge nur auf 15 Prozent der installierten Leistung anzusetzen ist. Daraus folgen maximal 1.314 Volllaststunden pro Jahr (8.760 h * 0,15 = 1.314 h). Was auf den ersten Blick eine sehr flexible Fahrweise verspricht, kann jedoch gleichzeitig auch nur in den kalten Winterwochen als Spitzenlastabdeckung im Wärmenetz dienen. Damit ist die Fahrweise stark abhängig von der geplanten Anlagenintegration. Zudem muss das BHKW der Biomethananlage laut EEG 2021 in mindestens 2.000 Viertelstunden eine Strommenge erzeugen, die mindestens 85 Prozent der installierten Leistung der Anlage entspricht – kurz gesagt: 500 Betriebsstunden Mindestlaufzeit. Für die Flexibilität der Anlage bedeutet das wiederum eine Schmälerung.

Diese Randbedingungen für Biomethanlagen im EEG 2021 sollten Sie kennen

Neben den bereits genannten Kriterien des Ausschreibungsvolumens, der Vergütung, der Förderdauer und des Flexibilitätszuschlags gibt es noch weitere wichtige Kriterien, die das EEG 2021 für Biomethananlagen festlegt. So muss eine Anlage im Vergleich zur Biomasseausschreibung kein Hocheffizienzkriterium erfüllen. Das bedeutet, dass eine Wärmenutzung nicht zwingend erforderlich ist. Dennoch ist es in der Praxis sinnvoll, eine Biomethananlage zum Beispiel in bestehende Wärmenetze zu integrieren.

Als förderberechtigt gelten laut EEG 2021 alle Biomethananlagen, die größer als 100 kWel sind und die zur Stromerzeugung ausschließlich Biomethan nutzen. Zudem müssen die Anlagen für eine Förderung in der Südregion liegen. Die einzige Ausnahme gilt, wie bereits erwähnt, am ersten Ausschreibungstermin, voraussichtlich dem 01. Oktober 2021. An diesem Gebotstermin dürfen alle Anlagen aus ganz Deutschland teilnehmen. Darüber hinaus ist es wichtig, die Anlage von der technischen Auslegung richtig zu dimensionieren. Abhängig von diversen Kriterien, wie zum Beispiel den Wärmesenken oder dem Pufferspeicher, kann eine beispielhafte Auslegung des BHKW-Moduls darauf abzielen, dass die erzeugte Wärmemenge entsprechend genutzt werden und der erzeugte Strom eingespeist sowie am Markt vermarktet werden kann. Für Bestandsanlagen gilt dabei zudem, dass sie noch keine Förderung nach dem EEG bekommen haben dürfen. Bisher fossil betriebene Anlagen können damit also auf Biomethan umstellen und sind dann rein theoretisch förderberechtigt.

Darum sollten Sie an der Ausschreibung teilnehmen

Zugegeben, die Anforderungen für Biomethananlagen des EEG 2021 zu erfüllen, erfordert ein wenig Organisation. Lohnenswert kann es dennoch sein, da sowohl die Flexibilitätsprämie von 65 € pro kWel und Jahr über 20 Jahre als auch die 19 Cent Förderung pro kWh entscheidend zur Wirtschaftlichkeit der gesamten Anlage beitragen können. Darüber hinaus kann eine bestehende Wärmesenke zusätzliche Erlöse durch den Wärmeverkauf generieren. Prinzipiell ist eine Biomethananlage als Business-Case in jedem bestehenden Wärmenetz oder bei ähnlichem Einsatz zu betrachten und zu untersuchen.

Hier punktet das Biomethan-BHKW durch die Spitzenlast-Substitution eines bestehenden Gaskessels gleich doppelt: Es deckt effizient (und umweltschonend) sowie wirtschaftlich die Spitzenlasten auf der Wärmeseite.