Leicht war das Jahr 2018 für die Biogas-Branche nicht. Doch trotz vieler Unsicherheiten und fehlender klarer politischer Ansagen hat es gegen Ende des Jahres dennoch einige positive Entwicklungen gegeben, wie etwa das Energiesammelgesetz, das einen wichtigen und klaren Planungshorizont für Anlagenbetreiber eröffnet, die eine Flexibilisierung ihrer Anlage in Angriff nehmen wollen.
In diesem Beitrag lassen wir das Jahr 2018 nochmals für Sie Revue passieren, fassen die wichtigsten Biogas-Themen zusammen und geben Ihnen einen Ausblick darauf, was im Jahr 2019 für Sie relevant sein kann.

Was die Biogas-Branche bewegt hat

Flexibilitätsprämie

Ein nach wie vor großes Thema, das durch das Energiesammelgesetz weiter an Brisanz bekommen hat. Grundsätzlich wird die Flexibilisierung von Biogasanlagen seit dem EEG 2012 mit der sogenannten Flexibilitätsprämie staatlich gefördert. Die gesetzlich gesicherte Zahlung unterstützt Sie als Betreiber, damit Sie Ihre Investitionen zur Leistungssteigerung refinanzieren können, um in Zeiten erhöhten Bedarfs zusätzlich einzuspeisen. Grundsätzlich wird die Flexibilitätsprämie bis zur fünffachen Überbauung der Bemessungsleistung gewährt.

Ende 2018 hat der Gesetzgeber den Zubau flexibler Leistung („Flexdeckel“) mit dem Energiesammelgesetz weiter begrenzt, jetzt liegt die Grenze bei nur mehr 1000 MW anstatt wie bisher bei 1350 MW. Ist dieser Deckel voll, gibt es keine Flexibilitätsprämie mehr. Durch den massiven Zubau im Dezember 2018 könnte dies tatsächlich schon im Frühjahr dieses Jahres der Fall sein. Allerdings bleibt von da an noch eine „Karenzzeit“ von weiteren 16 Monaten, um ans Netz zu gehen und, ganz wichtig, Ihre Anlage im Marktstammdatenregister zu melden. Währenddessen kann ein beliebig hoher Leistungszubau erfolgen. Welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen, um die Flexprämie zu erreichen, können Sie hier nachlesen.

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Flexibilisierung

Ohne sie geht es nicht, das betonen wir von Energas immer wieder. Denn der Grundlastbetrieb, in dem die meisten Anlagen noch immer fahren, hat nach Expertenmeinung über kurz oder lang ausgedient. Zukunftsfähig und rentabel wird allein der flexible und bedarfsgerechte Betrieb sein, was eine weitere Flexibilisierung der Anlagen voraussetzt. Eine solch hohe Flexibilisierung hat den größten Einfluss auf Mehrerlöse – Analysen zeigen, dass eine starke Flexibilisierung mit 2 bis 4-facher Überbauung das Erlöspotential an der Strombörse deutlich erhöhen kann, zumal sich das Erlösniveau auf dem Spotmarkt seit Anfang 2018 wieder verbessert hat.

Eine mutige Flexibilisierung bedeutet unterm Strich mehr Erlöse, womit Sie auch für eine mögliche Anschlussvergütung über das Ausschreibungsverfahren besser gerüstet sind.

Richtlinie VDI 3985

Im Juni 2018 hat der „Verein deutscher Ingenieure“ den aktualisierten Leitfaden für die Planung, Ausführung und Abnahme von KWK-Anlagen mit einer Brennstoffleistung von mehr als 70 kW herausgebracht. Die Richtlinie ist vor allem für Planer und Projektierer gedacht, aber auch für Betreiber, die sich verstärkt am Bau einer KWK-Anlage beteiligen wollen, um maximale Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit zu erreichen – gerade, weil viele Anlagen in der Vergangenheit unausgereift beziehungsweise sogar falsch konzipiert worden sind. Die Richtlinie wird seit Juni 2018 ausgegeben und ersetzt die alte Richtlinie vom März 2014. Die für Sie als Betreiber wichtigsten Punkte können Sie hier (Link zu „Die wichtigsten Punkte, die Sie über die Richtlinie „VDI 3985“ wissen sollten“) nachlesen.

Wärmenutzung

Auch ein Thema, das 2018 immer öfter aufgegriffen wurde. Zu Recht! Denn man kann es nicht oft genug sagen: Der Anteil Erneuerbarer Energien am Wärmemarkt stagniert schon seit Jahren bei rund 14 Prozent. Um die Energiewende zu bewältigen, muss sich aber das Ausbautempo Erneuerbarer Wärme deutlich erhöhen. Und dazu können auch Biogasanlagen beitragen. Die Voraussetzung: Eine effiziente Wärmenutzung. Viele Betreiber lassen momentan noch einen Großteil ihrer produzierten Wärme ungenutzt verpuffen, dabei gäbe es vielfältige Möglichkeiten: Beheizung und Warmwasserbereitstellung eigenbetrieblicher Gebäude, Trocknungsanwendungen, der Einsatz in Kältemaschinen oder die Einspeisung der Wärme in ein Nahwärmenetz.

Die verstärkte Nutzung der produzierten Wärme – immerhin werden gut 28 Prozent, also etwa 10,14 TWhth nicht genutzt – trägt einerseits zum Erreichen der Energiewende bei, andererseits eröffnet sich durch eine effiziente Wärmenutzung eine zusätzliche Einnahmequelle, die für Betreiber im Hinblick auf den auslaufenden Vergütungszeitraum durchaus willkommen sein dürfte.

Zukunft der Landwirtschaft

Die Digitalisierung, das Schlagwort der Stunde, prägte 2018 auch das Agrarwesen. „Landwirtschaft 4.0“ ist in aller Munde. Selbstfahrende Traktoren, die Dünger und Pflanzenschutzmittel am Bedarf der Pflanzen ausrichten, Fütterungssysteme, die sich auf jede Kuh individuell einstellen oder auch Biogasanlagen, bei denen Reparaturen per Fernzugriff möglich sind, gibt es bereits. Der Trend geht ganz klar zu einer immer stärkeren Vernetzung zwischen Landwirten, IT-Dienstleistern und Landtechnik-Herstellern. Eine digitalisierte Landwirtschaft verspricht mehr Effizienz, bessere Erträge, Arbeitserleichterung, weniger Umweltbelastung und tatsächlich auch gesündere Lebensmittel dank verringertem Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln.

Klimaschutz

Besonders erfolgreich war Deutschland leider auch im Jahr 2018 nicht, was den Klimaschutz betraf. Bei der UN-Klimakonferenz Ende des Jahres wurde es sogar für seinen verzögerten Kohleausstieg und die Weigerung, ehrgeizigere Klimaziele bis 2030 mitzutragen, massiv getadelt. Das darf nicht sein! Es gilt mehr denn je, die Energie aus fossilen Brennstoffen zugunsten des Ausbaus erneuerbarer Energien zurückzuschrauben und Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie, Erdwärme und auch Biogas voranzutreiben. Denn gerade Biogas kann eine Schlüsselrolle bei der Energiewende spielen, da es annähernd CO2-neutral produziert wird, speicherbar ist und flexibel produziert und abgerufen werden kann. Außerdem ist Biogas nahezu unbegrenzt und dauerhaft verfügbar. Dazu kommt die Möglichkeit, das Biogas auf Erdgasqualität aufzubereiten (hierzu wird das Kohlendioxid entfernt) und ins Erdgasnetz einzuspeisen. Dieses erneuerbare sogenannte Biomethan kann dann an anderer Stelle und auch in anderen Sektoren – unter anderen als Kraftstoff in der Mobilität – fossil gewonnenes Erdgas ersetzen. Es gibt bereits Ideen, dieses entfernte Kohlendioxid einem Methanisierungsverfahren zuzuführen um Methangas zu generieren – Stichwort „Power-to-gas“.

Vor welchen Herausforderungen die Biogas-Branche steht

Optimierung durch Flexibilisierung

Jeder Betreiber muss sich auch im Jahr 2019 mit der Frage auseinandersetzen, wie er den wirtschaftlichen Betrieb seiner Anlage in Zukunft gewährleisten kann. Nur selten lohnt sich die Teilnahme am Ausschreibungsverfahren (das übrigens ab 2019 zweimal pro Jahr stattfindet) für die Anschlussvergütung. Optimieren können Sie Ihre Anlage vor allem durch Flexibilisierung. Versuchen Sie als Betreiber, die Stromerzeugung soweit wie möglich in den bedarfsgerechten Betrieb zu verschieben, wird sich das finanziell auszahlen. Auch durch ein effizientes Wärmekonzept lässt sich die Wirtschaftlichkeit Ihrer Anlage verbessern. Allerdings müssen Gas- und Pufferspeicher auch dementsprechend ausgelegt werden.

Entwicklung des Flexdeckels

Durch die Änderungen im Energiesammelgesetz und der Absenkung des Flexdeckels auf 1000 MW ist zugegebenermaßen etwas Eile geboten, wer noch eine Flexibilisierung anstrebt. Doch keine Panik – die Karenzzeit, die bis etwa Anfang Herbst des Jahres 2020 gehen wird, gibt Ihnen Investitionssicherheit! Begonnene Projekte werden auch noch nach Erreichen des Deckels sicher fertiggestellt werden können. Und die Zeit reicht auch noch, um anspruchsvolle Projekte zu starten! Wie Sie die Entwicklung des Flexdeckels jederzeit beobachten können, erfahren Sie hier (Link zu Leitfaden Flexdeckel).

SCR-Katalysator-Technik

Durch die Einführung der neuen Grenzwerte in der 44. BImSchV (Link zu „Emissionen bei Biogasanlagen“) werden Anlagenbetreiber in Zukunft neben einem Oxi- auch einen SCR-Katalysator brauchen. Denn die Stickoxid-Grenzwerte sind auf Dauer wohl nur mit einem entsprechenden Abgasnachbehandlungssystem einzuhalten, das das Stickoxid mit Hilfe von Harnstoffeindüsung abbaut. Bestandsanlagen wird man nachrüsten müssen, bei Neuanlagen muss schon in der Planungsphase der Investitions- und Platzbedarf für den zukünftigen Betrieb mit SCR-Katalysator berücksichtigt werden, denn bei Neuanlagen ist ab 2023 schon ein NOx-Wert von unter 100 mg/Nm3 vorgeschrieben.

Regeländerungen bei der Mittelspannung

Im Zuge der Energiewende gewinnen die Mittelspannungsnetze durch den Zubau erneuerbarer Energien extrem an Bedeutung. Um die Netze darauf vorzubereiten, legt das neue Regelwerk VDE-AR-N 4110 die Technischen Anschlussregeln für Planung, Errichtung, Betrieb und Änderung von Anlagen fest, die am Netzanschlusspunkt an das Mittelspannungsnetz eines Netzbetreibers angeschlossen werden. Die neue Anwendungsregel fordert für neu errichtete dezentrale Erzeugungsanlagen erweiterte Fähigkeiten für das Durchfahren von kurzen Spannungseinbrüchen sowie für die Bereitstellung von Blindleistung und soll die Netzstabilität verbessern. Sie löst unter anderem die BDEW-Mittelspannungsrichtlinie von 2008 ab Ende April 2019 ab.

Wie anfangs bereits gesagt – einfach war das Jahr 2018 für Anlagenbetreiber nicht. Und auch die Zukunft hält enorme Herausforderungen bereit. Eines ist allerdings sicher: Der Biogas-Technologie kommt eine hohe Bedeutung für das Erreichen der Energiewende zu. Der Anteil Erneuerbarer Energien am Strommix soll in Deutschland bis 2030 auf 65 Prozent erhöht werden – und das geht nicht ohne die flexiblen Einsatzmöglichkeiten von Biogas. Es könnte entscheidend dazu beitragen die Versorgungssicherheit zu erhöhen, wenn in ein paar Jahren viele aktuell noch laufende Atom- und Kohlekraftwerke vom Netz gehen. Doch dazu müssen nicht nur klare politische Signale für die Biogasnutzung kommen, auch Sie als Anlagenbetreiber sind gefragt: Denn die Zukunft liegt in der Flexibilisierung Ihrer Anlage! Nur dann sind sie fit für die Zukunft. Sprechen Sie dazu mit uns – wir sind Ihr kompetenter Partner und begleiten Sie Schritt für Schritt bei Ihrer Flexibilisierung!

 

Fotoquelle Titelbild: © alicja neumiler/shutterstock.com